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UV-Technik für Automatisierung und Prozessintegration

Ein UV-Prozess wird automatisierbar, sobald die Strahlung als Zahl vorliegt, die eine Steuerung lesen kann. Damit verschiebt sich die Aufgabe von der Messung zur Anbindung: Welches Signal verlässt den Sensor, in welchem Takt, mit welcher Kennung – und welche Entscheidung trifft die Anlage daraus. Diese Seite behandelt diesen Weg vom Messwert zur Prozessfreigabe.

Wo steht die Automatisierung heute?

Automatisierte Fertigung ist der Normalfall geworden. Die International Federation of Robotics zählte für 2024 weltweit 542.000 neu installierte Industrieroboter und einen operativen Bestand von 4,664 Millionen Einheiten. Für UV-Prozesse ist daran weniger die Robotik selbst interessant als die Erwartung, die mit ihr einzieht: Was in einer getakteten Linie läuft, muss protokolliert, überwacht und im Fehlerfall gesperrt werden können.

Optische Strahlung erfüllt diese Erwartung nicht von selbst. Sie ist unsichtbar, sie lässt sich am fertigen Bauteil oft nicht mehr nachweisen, und ihre Quelle verändert sich über die Betriebsdauer. Eine Anlage, die UV nur über die Einschaltzeit steuert, dokumentiert deshalb eine Absichtserklärung, nicht ein Ergebnis.

Warum wird die Strahlung zur Prozessgröße?

Im Laborversuch genügt es, die Bestrahlungsstärke vor der Messreihe einmal zu prüfen. In der Serienfertigung reicht das nicht, weil zwischen zwei Prüfungen tausende Bauteile liegen. Zwischen ihnen kann sich einiges geändert haben: Der Strahler hat Betriebsstunden gesammelt, ein Schutzglas ist beschlagen, ein Werkstückträger sitzt zwei Millimeter höher, die Kühlung arbeitet bei sommerlicher Hallentemperatur anders. Alle vier Fälle verringern die auftreffende Strahlung, ohne dass die Anlage eine Störung meldet.

Eine fest eingebaute Messung macht daraus einen Prozessparameter. Die Steuerung kann Grenzwerte prüfen, Trends aufzeichnen, eine Warnung vor dem Ausfall erzeugen und im Ernstfall die Freigabe verweigern. Aus einer periodischen Prüfung wird eine fortlaufende. Wie belastbar eine solche Messkette ist, lässt sich nachweisen; das Vorgehen beschreibt der Fähigkeitsnachweis von UV-Messsystemen.

Welche Schnittstelle passt zu welcher Anlage?

Welche Schnittstelle passt, hängt weniger vom Sensor ab als von der Anlagenwelt, in die er soll. Ein analoges Signal – 0 bis 10 Volt oder 4 bis 20 Milliampere – ist anspruchslos, störfest und in jeder Steuerung auswertbar; es überträgt aber nur einen Zahlenwert. Wer wissen will, welcher Sensor gemessen hat, mit welchem Kalibrierdatum und in welchem Zustand, braucht eine digitale Verbindung.

Für die einfache Variante stehen SPS-Sensoren mit analogem Ausgangssignal und Inline-Sensoren zum Einbau in die Anlage bereit. Digital arbeitet der PLC.net über Ethernet und liefert seine Messwerte per Modbus TCP oder als JSON über HTTP – damit ist er ohne Zwischengerät an Steuerung, Prüfstandssoftware oder Datenerfassung anzubinden. Der PLC.D deckt die serielle Seite mit RS-485, RS-232 und USB ab und lässt sich per Hardware- oder Softwaretrigger auf den Takt der Maschine setzen.

Überwachen oder regeln – und was gehört ins Protokoll?

Überwachen und Regeln sind zwei verschiedene Ausbaustufen. Die Überwachung beantwortet eine Ja-Nein-Frage: Liegt der Messwert im freigegebenen Fenster? Sie ist einfach, rückwirkungsfrei und für die meisten Anlagen ausreichend. Eine Regelung greift ein – sie hebt die Leistung der Quelle nach, verlängert die Expositionszeit oder verlangsamt den Vorschub, bis die geforderte Dosis erreicht ist. Bei UV-LED-Systemen ist das praktikabel, weil sich Dimmung und Schaltung ohne Anlaufzeit ändern lassen.

Für die Dokumentation zählt weniger der Messwert allein als sein Zusammenhang. Ein brauchbarer Datensatz führt Zeitstempel, Produkt- oder Chargenkennung, Bestrahlungsstärke, kumulierte Dosis, Sensorkennung und Kalibrierstand mit; bei temperaturkritischen Prozessen zusätzlich die Bauteil- oder Anlagentemperatur. Erst diese Verknüpfung erlaubt es, eine Reklamation Monate später physikalisch nachzuvollziehen statt zu vermuten. Wie oft die Sensorik dafür zur Kalibrierung muss, behandelt das Kalibrierintervall für UV-Messgeräte.

Was ändert sich bei bewegter Bestrahlung?

Führt ein Roboter den Strahler über das Bauteil, ändern sich Abstand, Winkel und Relativgeschwindigkeit fortlaufend. Die applizierte Dosis ist dann kein Produkt aus Bestrahlungsstärke und Zeit mehr, sondern das Integral der lokalen Bestrahlungsstärke entlang der Bahn. Eine konstante Bahngeschwindigkeit sichert also noch keine konstante Dosis – sie tut es nur, wenn das Strahlungsfeld über der Bahn bekannt ist.

Bei gekrümmten Flächen, Hinterschnitten und tiefen Taschen kommt die Abschattung hinzu. Für solche Fälle lässt sich die Verteilung vorab rechnen: Die Optiksimulation bestimmt Anordnung, Arbeitsabstand und Homogenität auf importierten Zielgeometrien. Sie ersetzt die Messung nicht – die Freigabe gehört an den realen Aufbau –, spart aber die Schleife über einen Aufbau, der die Schattenzone erst sichtbar macht.

Welche Bausteine bilden die Kette ab?

Auf der Messseite bilden PLC.net, PLC.D und die Inline-Sensoren die Kette zur Steuerung. Auf der Quellenseite lassen sich die UV-LED-Serie L und die UV-LED-Spots extern triggern und dimmen; die LedControl-Steuerung für die Hutschiene ist für den Einbau in den Schaltschrank gedacht.

Wo diese Bausteine nicht ausreichen, weil Mechanik, Optik, Absicherung und Datenerfassung zusammen entstehen müssen, führt der Weg über den Sondermaschinenbau. Dass die Quelle über die Betriebsdauer nachlässt und diese Bewegung vorhersehbar ist, beschreibt die Alterung von UV-Lampen und UV-LEDs – sie ist der Hauptgrund, aus dem eine Anlage die Strahlung messen und nicht annehmen sollte.

Angrenzende Anwendungsfelder: UV-Kleben, Vergießen und Verkapseln, Verpackung und Abfülltechnik, Laserprozesse und Transmissionsprüfung, Fluoreszenzprüfung und industrielle Inspektion.

Fachexperte

Autor: Dr. Mark Paravia

Dr.-Ing. Mark Paravia ist Geschäftsführer der Opsytec Dr. Gröbel GmbH in Ettlingen und leitet das akkreditierte Kalibrierlabor. Nach seiner Forschung zu gepulsten Xenon-Excimer-Entladungen am Lichttechnischen Institut des KIT gilt sein Schwerpunkt heute der optischen Strahlungsmesstechnik. Er ist anerkannter UV-Experte, stellvertretender Obmann im DIN-Normungsausschuss FNL 7 „Optische Strahlung" und Mitglied im DVGW-Projektkreis UV-Desinfektion.