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UV-Kleben, Vergießen und Verkapseln sicher auslegen

Beim UV-Kleben, Vergießen und Verkapseln entscheidet die Strahlung in der Reaktionszone über den Prozess – nicht der Nennwert der Quelle. Bauteile wirken als optische Filter; Klebespalt, Schichtdicke, Pigmente und Schattenbereiche verändern die tatsächlich ankommende Strahlung. Eine belastbare Auslegung verbindet daher Materialdaten, Bauteiltransmission, Bestrahlungsgeometrie, Dosis und Temperatur mit einem definierten Abnahmekriterium am Werkstück.

Welches Material überhaupt in Frage kommt, behandelt UV-härtende Klebstoffe, Lacke und Vergussmassen auswählen; den Reaktionsmechanismus und die Prozessgrößen der Härtung erläutern die Grundlagen der UV-Härtung und Photopolymerisation. Diese Seite beginnt dort, wo das Material feststeht und der Prozess am realen Bauteil ausgelegt werden muss.

Sechs typische Prozesse und ihre kritische Größe

UV-Kleben, -Vergießen und -Verkapseln findet sich überall dort, wo eine Fügestelle schnell, punktgenau und ohne thermische Belastung des Bauteils vernetzen muss. Entscheidend ist je Prozess eine andere Größe:

  • Optikverklebung (Linsen, Prismen, Kameramodule): Der Kleber liegt hinter Glas oder einer Vergütung – die Vergütung kann genau das Band sperren, das der Photoinitiator braucht. Kritisch sind Transmission des Fügeteils und Schrumpf, weil er die Justage verzieht.
  • Displays und Touchscreens: Großflächiger, dünner Spalt bei knapper Taktzeit: hier entscheidet die Gleichmäßigkeit der Bestrahlungsstärke über die Fläche, nicht der Spitzenwert in der Mitte.
  • Sensor- und Steckverbinderverguss: Vergusshöhen von einem bis mehreren Millimetern und Gehäusewände, die abschatten. Kritisch ist, ob am Vergussboden noch die Mindestdosis ankommt – oder ob ein Dual-Cure-System nötig wird.
  • Leiterplatten und dicht bestückte Baugruppen: Hohe Bauteile werfen Schatten auf benachbarte Klebestellen. Kritisch sind Bestrahlungsgeometrie und Einstrahlwinkel, nicht die Leistung des Strahlers.
  • Batteriemodule und Leistungselektronik: Große, teils gekrümmte Fügeflächen mit begrenztem Temperaturbudget. Kritisch ist die gemeinsame Freigabe von Dosis und Bauteiltemperatur.
  • Medizintechnik und Mikrofluidik: Kleine Spalte, enge Toleranzen und dokumentationspflichtige Freigaben. Kritisch ist ein reproduzierbarer Messort, der die Fugenposition tatsächlich abbildet.

Was am Klebstoff für die Prozessauslegung zählt

UV- und lichthärtende Klebstoffe bestehen aus Monomeren beziehungsweise Oligomeren und einem Photoinitiator, der bei passender Wellenlänge in reaktive Spezies zerfällt und die Vernetzung startet. Reaktionswege, Sauerstoffinhibierung und die maßgeblichen Prozessgrößen sind in den Grundlagen der UV-Härtung und Photopolymerisation hergeleitet.

Für die Auslegung eines Klebe- oder Vergussprozesses zählen daraus drei Angaben aus dem Datenblatt: der Absorptionsbereich des Photoinitiators, die Mindestdosis und die Frage, ob das System einen zweiten, strahlungsunabhängigen Härtungspfad besitzt. Alles Weitere entscheidet sich am Bauteil.

Was unterscheidet eine Klebefuge von einer Lackschicht?

Eine Lackschicht ist der Umgebungsluft ausgesetzt; hier ist Sauerstoff an der Oberfläche das Thema. Eine Klebefuge dagegen ist meist abgedeckt – sie wird durch das Bauteil oder von der Seite bestrahlt, mit entsprechend geringerem Sauerstoffeintrag. Wichtiger sind hier die spektrale Transmission des Bauteils und die Geometrie der Fuge. Die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Spektrum, Dosisrate und Vernetzung sind unter UV-Härtung und Photopolymerisation zusammengefasst.

Wellenlänge: was am Bauteil zu klären ist

Ein Photoinitiator absorbiert nur in einem begrenzten Band – eine leistungsstärkere Quelle mit unpassender Wellenlänge regt ihn nicht an. Welche Eigenschaften die industriellen LED-Peaks bei 365, 385, 395 und 405 nm unterscheiden und welche Photoinitiatorsysteme dazu passen, vergleicht die Technologieseite zu UV-LEDs für UVA, UVB und UVC [1].

Für die Prozessauslegung zählt davon nur, was hinter dem realen Bauteil noch ankommt – und genau das entscheidet die folgende Regel.

Entscheidungsregel statt LED-Nennwellenlänge

Die Wellenlänge wird aus dem Absorptionsbereich des Photoinitiators und der Transmission des vollständigen Bauteilaufbaus abgeleitet. Kürzere Wellenlängen können an Oberflächen stark absorbiert werden, während längere UVA- oder violette Wellenlängen transparente Substrate und größere Schichtdicken häufig besser durchdringen.

Maßgeblich ist deshalb eine spektrale Messung hinter dem realen Bauteil beziehungsweise an einer repräsentativen Prozessgeometrie; eine pauschale Zuordnung nach LED-Nennwellenlänge reicht nicht aus. Die Eigenschaften der einzelnen Peaks – Halbwertsbreite, Fertigungstoleranz und Verschiebung mit der Sperrschichttemperatur – vergleicht die Technologieseite zu UV-LEDs für UVA, UVB und UVC.

Wie wirkt das Fügeteil als optischer Filter?

Die Transmission des Bauteils entscheidet, welches Spektrum den Klebstoff überhaupt erreicht. Optisch klar heißt nicht UV-transparent: Viele Kunststoffe sind im sichtbaren Bereich klar, brechen aber unterhalb von etwa 380 nm steil ab; Floatglas ist im UVB-Bereich nahezu opak; UV-Schutzadditive blockieren Strahlung gezielt. Zwischen der Transmissionskurve des Bauteils und dem Absorptionsband des Initiators muss eine Überlappung bestehen. Ist diese schmal, helfen: längere Wellenlänge wählen, von der Fugenseite bestrahlen, Dual-Cure-Systeme einsetzen oder lichtaktivierbare Klebstoffe, die nach der Bestrahlung weiterreagieren.

Spot oder Fläche – was trägt die Geometrie?

Kleine Klebepunkte (Steckverbinder, Sensoren, bestückte Leiterplatten) passen zu einem UV-LED-Spot mit hoher Bestrahlungsstärke auf wenigen mm². Längere Nähte oder mehrere gleichzeitig auszuhärtende Teile passen zu Flächenstrahlern oder modular angeordneten Serie-L-Systemen entlang eines Förderbands. Die eigentliche Auslegungsfrage ist nicht Spot gegen Fläche, sondern Abschattung: Gehäusekanten, Metallrahmen, opake Bauteile und Hinterschnitte erzeugen unerreichbare Zonen. Es lohnt sich, das Bestrahlungsfeld vor dem Bau der Anlage per Optiksimulation zu berechnen – sie arbeitet auf importierten Bauteilgeometrien. Eine unerreichbare Zone braucht ein zweites Vernetzungsprinzip – dazu mehr im Abschnitt zu Dual-Cure-Systemen.

UV-Klebstoffe für Elektronik, Sensorik, Optik und E-Mobility

In der Elektronik- und Halbleiterfertigung übernehmen UV-Klebstoffe zunehmend Aufgaben, die klassisch dem Lötprozess vorbehalten waren: Bauteilverklebung, konforme Beschichtung und Display-Montage lassen sich mit niedrigeren Prozesstemperaturen und kürzeren Zykluszeiten realisieren als beim Löten oder bei thermisch härtenden Systemen. In der Sensorik zählt vor allem die enge Fügetoleranz kleiner Bauteile, in der Optik die Dimensionsstabilität – hier werden aufgrund des geringeren Schrumpfs häufiger kationisch härtende Epoxidsysteme statt Acrylate eingesetzt, gerade bei der Verklebung von Glas, Metall und Polymer für optische Baugruppen.

Die E-Mobility bringt eigene Randbedingungen mit: steigende Leistungsdichte bei gleichzeitig sinkendem Bauraum, höhere Anforderungen an Temperatur-, Chemikalien- und mechanische Beständigkeit sowie zunehmend flexible Substrate und Flex-Leiterplatten auf gekrümmten Oberflächen. Für Batteriemodule, Leistungselektronik und Sensorik in Antriebssträngen bedeutet das: UV-Klebstoffe müssen nicht nur schnell fixieren, sondern über die Lebensdauer des Fahrzeugs stabil bleiben.

UV-Verguss und UV-Verkapselung: Schichtdicke und Schattenzonen

Vergussmassen und Verkapselungen haben eine Schichtdicke, die eine Klebefuge nicht hat. Strahlung wird über die Tiefe absorbiert und gestreut – die Oberfläche reagiert zuerst, die untere Zone zuletzt, bei gefüllten, pigmentierten oder trüben Massen unter Umständen gar nicht. Die Eindringtiefe hängt gleichzeitig von Füllstoff, Farbe, Photoinitiator-Konzentration und Schichthöhe ab und lässt sich nicht allein aus der Oberflächenbestrahlungsstärke ableiten. Bei elektronischen Baugruppen kommt die thermische Seite hinzu: Eine UV-LED bringt kaum IR-Last mit, aber ein Teil der optischen Leistung wandelt sich im Material in Wärme um, und die Vernetzung selbst ist exotherm. Bei temperaturempfindlichen Bauteilen muss die Bauteiltemperatur parallel zur Dosis verfolgt werden – kürzere Bestrahlung bei höherer Leistung ist nicht automatisch schonender.

Warum nimmt die UV-Intensität mit der Schichtdicke ab?

Ursache der Abschwächung ist die Absorption durch Matrixmaterial und Photoinitiator: Jede zusätzliche Schichtdicke schluckt einen konstanten Anteil der verbleibenden Strahlung. Für klare, homogen absorbierende Systeme lässt sich das näherungsweise mit dem Beer-Lambert-Gesetz beschreiben:

I(z) = I₀ · e−αz
mit I₀ = einfallende Bestrahlungsstärke, I(z) = Bestrahlungsstärke in der Tiefe z, α = effektiver Absorptionskoeffizient.

Bei konstanter Bestrahlungszeit folgt die kumulierte Dosis D(z) derselben Exponentialform – im Rechenbeispiel unten steht dafür der gebräuchliche Koeffizient µ anstelle von α, physikalisch dieselbe Größe.

Bei gefüllten Vergussmassen reicht dieses einfache Modell häufig nicht aus, da zusätzlich Streuung an Pigmenten, Füllstoffen und Grenzflächen auftritt – die Strahlung wird dabei nicht nur absorbiert, sondern auf einem längeren, diffusen Weg zusätzlich geschwächt.

Rechenbeispiel: Reicht die Oberflächendosis bis zum Fugengrund?

Die Abschwächung der Strahlung über die Schichtdicke lässt sich vereinfacht mit dem Lambert-Beer-Gesetz abschätzen:

D(z) = D₀ · e−µz
mit D₀ = Oberflächendosis, D(z) = Dosis in Tiefe z, µ = materialabhängiger Extinktionskoeffizient.

Illustrative Annahmen für eine 2 mm dicke, leicht gefüllte Epoxid-Vergussmasse bei 365 nm:

  • Geforderte Mindestdosis am Fugengrund (laut Klebstoffdatenblatt): Dmin = 1.500 mJ/cm²
  • Gemessene Resttransmission der Masse bei 2 mm Schichtdicke: T ≈ 30 % (Werte für ähnliche gefüllte Systeme liegen je nach Füllstoffanteil häufig in der Größenordnung 20–40 % und sollten am realen Material gemessen werden)

Daraus folgt die benötigte Oberflächendosis:

D₀ = Dmin / T = 1.500 mJ/cm² / 0,30 ≈ 5.000 mJ/cm²

Liefert die Anlage im zulässigen Prozessfenster (Zeit, Temperaturbudget) nur beispielsweise 3.000 mJ/cm² an der Oberfläche, bleibt der Fugengrund mit rechnerisch rund 900 mJ/cm² unter der Mindestdosis – die Charge härtet an der Oberfläche durch, am Boden nicht. Optionen in diesem Fall: Schichtdicke reduzieren, Klebstoff mit höherer Transmission bei der gewählten Wellenlänge einsetzen, von der Seite zusätzlich bestrahlen oder auf ein Dual-Cure-System umstellen. Die tatsächliche Transmission eines Vergussmaterials lässt sich mit einem Spektralradiometer an einer Materialprobe bestimmen, statt sie aus Datenblattwerten zu schätzen.

Die Transmission des Fügepartners entscheidet, wie viel der Oberflächendosis den Klebespalt erreicht. Aus einer gemessenen Transmission folgt die optische Dichte und umgekehrt; stehen mehrere Schichten im Strahlengang, multiplizieren sich ihre Transmissionen. Ausführlich im Transmission- und OD-Rechner.

Der Rechner läuft ohne Übertragung von Daten im Browser.

Dual-Cure-Systeme für nicht bestrahlbare Bereiche

UV-Strahlung breitet sich geradlinig aus und lässt sich nicht um Hindernisse biegen. Hohe Bauteile auf Leiterplatten (Elektrolytkondensatoren, Steckverbinder, Spulen), Hinterschnitte, Kavitäten oder ein von außen bestrahltes, geschlossenes Gehäuse erzeugen Schattenzonen, in denen der Klebstoff ohne Zusatzmaßnahme flüssig bleibt. Dual-Cure-Klebstoffe lösen das über einen zweiten, UV-unabhängigen Vernetzungspfad:

Dual-Cure-TypSekundärmechanismusTypischer Einsatz
UV + WärmeTemperatur über definierte Zeit (z. B. 15–30 Minuten bei 125–150 °C)Maximale Festigkeit und Temperaturbeständigkeit; erhöht die Glasübergangstemperatur zusätzlich zur UV-Härtung
UV + FeuchteUmgebungsfeuchte über festgelegte Zeit (z. B. 24 Stunden)Große Spalten oder Baugruppen, bei denen eine Wärmenachhärtung nicht praktikabel ist
UV + AnaerobhärtungHärtung unter Sauerstoffausschluss in Gegenwart von MetallionenVerguss oder Kleben tief in Metallbaugruppen, z. B. Gewindesicherung

Praxistipp zur Erkennung: Eine UV-Indikatorfolie an der Klebestelle, unter Produktionsbedingungen belichtet, macht Schattenzonen als unbelichtete Bereiche sichtbar, bevor die erste Serie läuft.

Prozess auslegen und freigeben: sechs Schritte

Die Auslegung folgt einer festen Reihenfolge; jeder Schritt setzt den vorhergehenden voraus:

  1. Materialsystem und zulässiges Prozessfenster dokumentieren.
  2. Transmission von Substrat, Beschichtung und Klebespalt im relevanten Spektralbereich prüfen.
  3. Quelle und Geometrie so wählen, dass auch Rand- und Schattenzonen erreicht werden.
  4. Bestrahlungsstärke und Dosis am repräsentativen Messort erfassen.
  5. Temperatur und Taktzeit gemeinsam mit dem Härtungsergebnis qualifizieren.
  6. Grenzwerte für Serienüberwachung, Alarm und Rekalibrierung festlegen.

Eine ausgehärtete Verbindung lässt sich nicht visuell prüfen. Da die entscheidende Prozessgröße unsichtbar ist, braucht jeder freigegebene Klebeprozess einen Messwert: die Bestrahlungsstärke an der Fugenposition und die daraus resultierende Dosis. Für die Auslegung und den Quellenvergleich liefert das UVpad das Spektrum auf Bauteilebene; für wiederkehrende Prüfungen genügt ein Breitbandradiometer wie der RMD Pro. Wichtig ist die Sensor-Quellen-Abstimmung: Wie weit ein Breitbandsensor gegenüber einem schmalbandigen LED-Spektrum abweichen darf, zeigt die spektrale Fehlanpassung.

Neben der optischen Dosis gehört die Temperatur in dieselbe Messkette: Kommerzielle UV-Radiometer erfassen keine IR-Bestrahlungsstärke, daher wird der thermische Effekt üblicherweise über ein berührungsloses Pyrometer als Anstieg der Bauteiltemperatur erfasst [2]. Wärme kann je nach Anwendung Nutzen oder Risiko sein, ist aber immer Teil des Prozessfensters – bei temperaturempfindlichen Bauteilen (Elektronik, optische Kitts) sollte sie ebenso freigegeben und überwacht werden wie die Dosis selbst.

Welche Geräte die Bestrahlungsstärke und Dosis am Messort erfassen, zeigt die Produktübersicht UV-Dosis und Bestrahlungsstärke messen.

Prozessüberwachung beim industriellen UV-Kleben

Für die Serienfertigung wandert die Messung in die Linie: UV-Curing-Sensoren bleiben dauerhaft im Strahlengang, curelog zeichnet bis zu 2.000 Messungen pro Sekunde in vier Spektralbereichen auf und macht das Profil einer schnelllaufenden Härtungslinie sichtbar. Beide Ansätze beantworten dieselbe Frage – arbeitet die Quelle noch im freigegebenen Fenster? Dass sie das nicht automatisch über die Zeit tut, beschreibt die Alterung von UV-Lampen und UV-LEDs: Peak-Wellenlänge und Ausgangsleistung verschieben sich, oft schleichend genug, um im laufenden Betrieb unbemerkt zu bleiben, bis Bauteile aus der Freigabe fallen. In der Breite zeigt sich der Trend zu genau dieser Art kontinuierlicher Inline-Überwachung auch bei anderen Herstellern von UV-Härtungssystemen im Kontext von Industrie 4.0.

Für Versuchsreihen und Materialfreigaben abseits der Linie stehen Bestrahlungskammern mit definierter Geometrie zur Verfügung, für die Prozessseite Steuergeräte mit Timer, Dimmung und Trigger sowie das übrige Programm der UV-LED-Lichtquellen.

Was zeigen die wissenschaftlichen Veröffentlichungen?

Auch in den eigenen Kundenveröffentlichungen taucht UV-Kleben in mehreren Facetten auf – von der Oberflächenvorbehandlung für Klebeverbindungen bis zur Verkapselung von Photovoltaikmodulen.

Untersucht, wie eine UVO-Vorbehandlung die Zwischenschichtzähigkeit koextrudierter Epoxid-LMPAEK-Klebeverbindungen verändert – ein Beleg dafür, dass UV-Behandlung nicht nur härtet, sondern auch die Fügefestigkeit selbst beeinflussen kann.
Hybrid epoxy-LMPAEK composite co-cured joints: A study on UVO pretreatment and its effect on interlaminar toughness
Katz, L., et al. "Hybrid epoxy-LMPAEK composite co-cured joints: A study on UVO pretreatment and its effect on interlaminar toughness." Composites Part B: Engineering 323 (2026): 113727.

Überwacht einen Silikonklebstoff unter UV-Exposition im Hochvakuum mit einem einzelnen Multiparametersensor – ein Anwendungsfall für dieselbe Prozessüberwachung, die auch am Boden über ein UVpad läuft.
Multiparameter Single Sensor for Space Silicone Adhesive Monitoring Under High-Vacuum Ultraviolet Exposure
Fazzi, Luigi, et al. "Multiparameter Single Sensor for Space Silicone Adhesive Monitoring Under High-Vacuum Ultraviolet Exposure." Journal of Spacecraft and Rockets 60.3 (2023): 740-752.

Vergleicht vier Verkapselungsmaterialien für Photovoltaikmodule unter UV-Bestrahlung in der Atacama-Wüste – Verkapselung unter extremer UV-Last, wie sie auch E-Mobility-Baugruppen erreichen kann.
Comparing the effects of ultraviolet radiation on four different encapsulants for photovoltaic applications in the Atacama Desert
Correa-Puerta, Jonathan, et al. "Comparing the effects of ultraviolet radiation on four different encapsulants for photovoltaic applications in the Atacama Desert." Solar Energy 228 (2021): 625-635.

Untersucht die sauerstoffbeeinflusste Zone in mehrlagigen Photopolymeren – der Effekt, der die Oberfläche klebrig lässt, während der Kern längst vernetzt ist.
Effect of the oxygen affected layer in multilayered photopolymers
Pierrel, J., et al. "Effect of the oxygen affected layer in multilayered photopolymers." Polymer Chemistry 8.31 (2017): 4596-4602.

Zeigt an ultraschnell härtenden Acrylaten, wie Comonomer-Wahl und -Menge die thermomechanischen Eigenschaften der Vernetzung verschieben.
Influence of co-monomer-type and amount on thermomechanical properties of ultrafast-curing acrylic resins using a triacrylic crosslinker
Böhm, Michael, et al. "Influence of co-monomer-type and amount on thermomechanical properties of ultrafast-curing acrylic resins using a triacrylic crosslinker." Journal of Applied Polymer Science 136.13 (2019): 47294.

Weitere Arbeiten aus den Themenfeldern Photochemie und Polymerforschung sowie Stereolithographie, Vernetzung und Beschichtungen stehen unter Veröffentlichungen von Kunden nach Themen.

Alle uns bekannten Veröffentlichungen zu Kleben und Vergießen stehen im Veröffentlichungsfinder – dort auch nach Gerät, Themenfeld und Stichwort durchsuchbar.

FAQ zur Auslegung von UV-Klebe- und Vergussprozessen

Welche Wellenlänge passt zu meinem UV-Klebstoff?
Maßgeblich ist die Überlappung von Quellenspektrum und Absorptionsband des Photoinitiators, ergänzt um die Transmission des Fügeteils. Verbindlich ist das Klebstoffdatenblatt, bestätigt durch eine spektrale Messung hinter dem realen Bauteil – die nominale LED-Bezeichnung allein reicht nicht aus.

Wie tief dringt UV-Strahlung in eine Vergussmasse ein?
Die Eindringtiefe folgt näherungsweise dem Lambert-Beer-Gesetz und hängt von Füllstoff, Farbe, Photoinitiator-Konzentration und Wellenlänge ab. Sie lässt sich nicht aus der Oberflächenbestrahlungsstärke allein ableiten, sondern muss am realen Material gemessen werden, etwa mit einem Spektralradiometer.

Was sind Dual-Cure-Klebstoffe und wann braucht man sie?
Dual-Cure-Klebstoffe kombinieren die schnelle UV-Fixierung mit einem zweiten, UV-unabhängigen Härtungspfad (Wärme, Feuchte oder Anaerobhärtung). Sie werden eingesetzt, wenn Schattenzonen – etwa unter hohen Bauteilen oder in geschlossenen Gehäusen – nicht ausreichend bestrahlt werden können.

Wo wird die UV-Dosis beim Kleben gemessen?
An der Fugenposition, nicht am Strahlergehäuse und nicht auf der Bauteiloberseite, wenn der Kleber darunter liegt. Der Messort muss die ungünstigste Stelle des realen Aufbaus abbilden; entscheidend ist zusätzlich die spektrale Passung von Sensor und Quelle, weil ein falsch abgestimmter Breitbandsensor bei schmalbandigen LEDs stark abweichende Werte liefert.

Welches Abnahmekriterium gibt einen UV-Klebeprozess frei?
Ein ausgehärteter Verbund lässt sich nicht visuell prüfen. Freigegeben wird deshalb gegen ein Wertepaar aus Mindestdosis am Messort und zulässiger Bauteiltemperatur, hinterlegt mit dem Härtungsergebnis aus der Qualifizierung – ergänzt um Grenzwerte für Alarm und Rekalibrierung in der Serie.

Wie lässt sich ein UV-Klebeprozess in der Serienfertigung überwachen?
Über fest im Strahlengang installierte UV-Curing-Sensoren und kontinuierlich protokollierende Messgeräte, die Bestrahlungsstärke und Dosis dauerhaft mit dem freigegebenen Prozessfenster vergleichen und Abweichungen – etwa durch Alterung der Quelle – in Echtzeit melden.

Welche UV-Klebstoffe eignen sich für Elektronikfertigung und E-Mobility?
Je nach Anforderung radikalisch härtende Acrylate (schnelle Fixierung) oder kationisch härtende Epoxide (geringer Schrumpf, hohe Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit), häufig als Dual-Cure-System für Schattenzonen an dicht bestückten Baugruppen.

Verwandte Anwendungsfelder

Das Kleben mit Licht grenzt unmittelbar an drei weitere Felder: Die UV-Härtung und Photopolymerisation liefert die Grundlagen zu Initiator, Spektrum und Sauerstoffinhibierung, die Elektronik- und Halbleiterfertigung setzt dieselben Verguss- und Verkapselungsschritte im Back-End ein, und in der Automobilindustrie entstehen mit Batteriemodulen und Leistungselektronik laufend neue, oft stark abgeschattete Klebegeometrien. Hinzu kommen die Automatisierung und Prozessintegration für die Überwachung im Takt und Optik und Präzisionsbauteile für das Fügen optischer Bauteile. Wird der Klebstoff robotergeführt aufgetragen und unmittelbar am Auftragsort gehärtet, kommt die Bahngeometrie als Einflussgröße hinzu – siehe Robotik. Den vollständigen Überblick gibt die Übersicht UV-Anwendungen.

Fachexperte

Autor: Dr. Mark Paravia

Dr.-Ing. Mark Paravia ist Geschäftsführer der Opsytec Dr. Gröbel GmbH in Ettlingen und leitet das akkreditierte Kalibrierlabor. Nach seiner Forschung zu gepulsten Xenon-Excimer-Entladungen am Lichttechnischen Institut des KIT gilt sein Schwerpunkt heute der optischen Strahlungsmesstechnik. Er ist stellvertretender Obmann im DIN-Normungsausschuss FNL 7 „Optische Strahlung“ und Mitglied im DVGW-Projektkreis UV-Desinfektion.

Beratung zu Ihrem UV-Klebeprozess

Unsicher, ob Ihre UV-Dosis am Fugengrund noch ausreicht? Wir vermessen Ihr Spektrum und Ihre Bestrahlungsstärke am realen Bauteil und beraten Sie zur passenden Wellenlänge, Geometrie und Prozessüberwachung – schreiben Sie uns Ihre Fragestellung oder fragen Sie direkt eine UVpad-Messung an.