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UV-Reinigung und UV-Belichtung in der Halbleiter- und Elektronikfertigung

Ultraviolette Strahlung wird in der Halbleiter- und Elektronikfertigung für zwei grundlegend verschiedene Aufgaben eingesetzt: für die trockene, photochemische Reinigung und Aktivierung von Oberflächen sowie für die Belichtung strahlungsempfindlicher Schichten. Bei der UV-Reinigung von Halbleitern werden organische Adsorbate durch kurzwellige Photonen und daraus entstehende reaktive Sauerstoffspezies oxidativ zu CO₂ und H₂O abgebaut, ohne dass mechanische oder nasschemische Belastung entsteht. Bei der UV-Belichtung von Photolack entscheidet die absorbierte Photonendosis über die chemische Umsetzung des photoaktiven Bestandteils und damit über Kantenprofil und kritische Dimension.

Beide Prozesse werden durch dieselben Größen bestimmt: spektrale Bestrahlungsstärke am Prozessort, Bestrahlungsdosis, Absorptionsverhalten des Materials, Geometrie des Bestrahlungsspalts und die Zusammensetzung der Prozessatmosphäre. Die zentrale Herausforderung liegt darin, dass keine dieser Größen aus elektrischer Lampenleistung oder Prozesszeit zuverlässig abgeleitet werden kann.

Wie entwickelt sich der Markt für Halbleiterfertigung und UV-Prozesstechnik?

Für UV-Reinigung, Waferaktivierung und Photolackbelichtung existiert keine eigenständige, sauber abgegrenzte Marktstatistik. Belastbar sind stattdessen Marktindikatoren aus den angrenzenden Investitionsgütermärkten, die die Zahl und Anforderungsdichte der betroffenen Prozessschritte bestimmen.

MarktindikatorWertZeitbezugQuelle (Jahr)
Weltweiter Halbleitermarktrund 1,5 Billionen US-Dollar, getrieben durch Memory und KI-InfrastrukturPrognose 2026WSTS, Spring-Forecast (2026)
Halbleiterfertigungsanlagen, gesamt165,9 Mrd. US-Dollar, +23,2 %Prognose 2026SEMI, Mid-Year Forecast (2026)
Wafer Fab Equipment (Front-End)143,9 Mrd. US-Dollar nach 116,9 Mrd. US-Dollar im Vorjahr2026 vs. 2025SEMI, Mid-Year Forecast (2026)
Assembly- und Packaging-Anlagen6,7 Mrd. US-Dollar, +9,6 %Prognose 2026SEMI, Mid-Year Forecast (2026)
Prüf- und Testanlagen15,3 Mrd. US-Dollar, +31,0 %Prognose 2026SEMI, Mid-Year Forecast (2026)
Advanced Packaging (Umsatz der Verpackungstechnologien)46 Mrd. US-Dollar (2024) auf über 79,4 Mrd. US-Dollar (2030), CAGR 9,5 %2024–2030Yole Group (2025)
Wafer-Reinigungsanlagen (Marktindikator, kommerzielle Studie)6,42 Mrd. US-Dollar (2025) auf 9,92 Mrd. US-Dollar (2031), CAGR 7,5 %2025–2031Mordor Intelligence (2026)

Marktsegmente nach Wertschöpfung

Die Wertschöpfung teilt sich in drei Bereiche mit sehr unterschiedlicher UV-Relevanz. Im Front-End dominiert die Strukturierung bei 248 nm, 193 nm und 13,5 nm; klassische UV-Technik im Bereich 172 bis 436 nm tritt dort vor allem als Reinigungs-, Aktivierungs- und Photostabilisierungsschritt sowie bei der Waferkantenbelichtung auf. Im Back-End und Advanced Packaging nimmt die Zahl UV-basierter Schritte zu: Dickschicht-Photolacke für Umverdrahtungsschichten (RDL), temporäre Klebstoffe und UV-lösbare Trägerfolien, Verguss und Verkapselung sowie die Reinigung vor Bonden und Molding. Im Aufbau- und Verbindungstechnik-Umfeld der Elektronikfertigung kommen Leiterplatten-, Sensor- und Optikfertigung hinzu.

Der wirtschaftlich interessante Zusammenhang liegt im Zusammenspiel: Das Wachstum wird derzeit von Speicher- und KI-Bauelementen getragen, die stark auf 3D-Stapelung, Chiplet-Architekturen und Hybrid Bonding setzen. Diese Architekturen verschieben Wertschöpfung in Prozessschritte, deren Ausbeute unmittelbar von Grenzflächenzuständen abhängt. Damit steigen die Anforderungen an reproduzierbare Oberflächenaktivierung, an die Dosistreue der Belichtung dicker Resistschichten und an eine Messtechnik, die diese Größen am Ort des Prozesses und nicht am Ort der Lampe erfasst.

Aktuelle Trends im Marktumfeld

  • Fläche pro Bauelement wächst, während Toleranzen sinken. Bei Interposern, Panel-Level-Packaging und großformatigen RDL-Feldern wird die Homogenität der Bestrahlungsstärke über die Fläche zur begrenzenden Größe.
  • Verlagerung von nasschemischer zu trockener Vorbehandlung. UV-Ozon-Reinigung und VUV-Aktivierung ersetzen dort Nasschemie, wo Partikeleintrag, Trocknungsränder oder chemische Verträglichkeit kritisch sind.
  • Regulatorischer Druck auf Quecksilberdampflampen. Die RoHS-Ausnahme 4(f)-IV für quecksilberhaltige Mittel- und Hochdruck-UV-Lampen ist bis zum 24. Februar 2027 befristet; sie umfasst ausdrücklich die i-Linien-Photolithografie und die Waferkantenbelichtung. Ein automatisches Verbot folgt daraus nicht, wohl aber Planungsbedarf für Technologiewechsel.

Wie funktioniert die UV-Ozon-Reinigung von Wafern?

Die UV-Ozon-Reinigung ist ein trockener, photochemischer Oxidationsprozess. Kurzwellige UV-Photonen wirken auf zwei Wegen: direkt durch Photolyse von Bindungen in adsorbierten organischen Molekülen und indirekt durch Erzeugung reaktiver Sauerstoffspezies aus der umgebenden Atmosphäre.

Beim klassischen Verfahren mit einer Niederdruck-Quecksilberlampe aus synthetischem Quarzglas werden zwei Resonanzlinien genutzt. Die 185-nm-Linie dissoziiert molekularen Sauerstoff; die entstehenden Sauerstoffatome bilden mit O₂ Ozon. Die 254-nm-Linie wird von Ozon im Hartley-Band stark absorbiert und spaltet es wieder auf, wobei überwiegend angeregter atomarer Sauerstoff O(¹D) entsteht. Dieses hochreaktive Zwischenprodukt oxidiert Kohlenwasserstoffe zu CO₂ und H₂O, die als Gas abgeführt werden. Gleichzeitig entstehen an der Oberfläche polare Gruppen, die Silizium- und Oxidoberflächen hydrophil machen. Wie dieser Prozess im Einzelnen abläuft und wo seine Grenzen liegen, beschreibt die Oberflächenreinigung und -aktivierung mit UVC und Ozon.

Beim VUV-Verfahren mit Xenon-Excimerstrahlung bei 172 nm dominiert die direkte Photolyse: Ein Photon dieser Wellenlänge trägt 7,2 eV beziehungsweise 696 kJ/mol und liegt damit über den Bindungsenergien von C–C-, C–H- und C–O-Bindungen. Zusätzlich wird Sauerstoff in unmittelbarer Nähe der Oberfläche dissoziiert, sodass atomarer Sauerstoff dort entsteht, wo er wirken soll. Der messbare Effekt beider Verfahren ist eine Änderung des Oberflächenzustands, nicht ein Materialabtrag: Wasserkontaktwinkel und Oberflächenenergie ändern sich, die Topografie bleibt im Idealfall unverändert.

Welche Technologien werden eingesetzt?

TechnologieCharakteristikVorteileGrenzenTypische Anwendung
Niederdruck-Hg-Lampe, 185/254 nmLinienspektrum; etwa 40 % der elektrischen Leistung bei 254 nm, rund 6–9 % bei 185 nm; synthetisches Quarzglas erforderlichgroßvolumige Ozonbildung, robust, große Arbeitsabstände möglichQuecksilber, Aufwärmverhalten, Temperatur- und Alterungsdrift der Linienverhältnisse, Ozonabführung nötigReinigung und Aktivierung von Wafern, Substraten, Gehäusen und Fügeflächen
Xe₂-Excimer, 172 nm (VUV)quasi-monochromatisch, 7,2 eV Photonenenergie; Strahlungsausbeute rund 10 %direkte Bindungsspaltung, sehr geringe thermische Last, wirksam bei kurzen ZeitenReichweite in Luft auf wenige Millimeter begrenzt; Spaltgeometrie und Gasführung prozesskritischAktivierung vor Direkt- und Hybridbonden, Reinigung von Glas, Polymeren und Waferoberflächen
KrCl-Excimer, 222 nmquasi-monochromatisch, 5,6 eV; deutlich geringere Ozonbildung als 172/185 nmBetrieb in Luft mit geringerem Ozonmanagementgeringere Photonenenergie, selektiver in der WirkungReinigung temperatur- und ozonempfindlicher Baugruppen
UV-LED, 365/385/405 nmschmalbandig, Halbwertsbreite typisch 10–15 nm; Wandsteckdosen-Effizienz bei 365 nm heute im Bereich 40–55 %schnelle Schaltbarkeit, stabile Dosisführung, kein Quecksilber, hohe Lebensdauerkeine Ozonbildung, für oxidative Reinigung ungeeignet; Emissionsmaximum verschiebt sich mit SperrschichttemperaturBelichtung von g-/h-/i-Linien-Photolacken, Härtung, Waferkantenbelichtung
UV-C-LED, 255–280 nmschmalbandig; Wandsteckdosen-Effizienz aktuell im einstelligen bis knapp zweistelligen Prozentbereichquecksilberfrei, kompakt, punktgenau einsetzbarLeistungsdichte und Effizienz begrenzt; erzeugt kein OzonEntkeimung, ausgewählte photochemische Aufgaben, Sensorik
Hg-Mittel-/Hochdrucklampe, g-/h-/i-LinieLinien bei 365, 405, 436 nm plus Kontinuumhohe Leistung auf große Fläche, etablierte ResistprozesseAlterung verändert Linienverhältnisse, hohe thermische Last, regulatorisch befristetMask-Aligner- und Proximity-Belichtung, Dickschichtresists
Excimerlaser, 248/193 nmgepulst, kohärent, hohe Spitzenintensitäthöchste Auflösung in der ProjektionslithografieAnlagentechnik und Kosten, Resistchemie stark spezialisiertFront-End-Strukturierung
EUV, 13,5 nmPhotonenenergie 92 eV; Vakuum und Reflexionsoptik erforderlichkleinste Strukturbreitenliegt außerhalb des UV-Bereichs im engeren Sinne; stochastische Effekte bei niedrigen Dosenfortgeschrittene Logik- und Speicherknoten

UV-Belichtung von Photolack: g-, h- und i-Linie

Photolacke sind keine Schwellwertmaterialien mit einer festen Grenzwellenlänge, sondern besitzen Absorptionsbanden. Klassische Positivlacke auf Basis von Diazonaphthochinon und Novolak werden im Bereich der i-Linie (365 nm) sowie der h- und g-Linie (405 nm, 436 nm) belichtet. Die Belichtung wandelt den photoaktiven Bestandteil um; die belichteten Bereiche werden im Entwickler löslich. Chemisch verstärkte Resists (CAR) für DUV und EUV arbeiten anders: Die Belichtung erzeugt eine Säure, die erst im Post-Exposure-Bake katalytisch wirkt. Damit hängt das Ergebnis nicht mehr allein von der optischen Dosis, sondern zusätzlich vom thermischen Budget ab.

Typische Dosisbereiche zur Orientierung: dünne i-Linien-Positivlacke im Mask Aligner benötigen etwa 65 bis 110 mJ/cm², Dickschichtresists für Umverdrahtungsschichten mit 8 bis 20 µm im i-Linien-Stepper Größenordnungen um 180 mJ/cm², EUV-Resists je nach Auflösungsziel etwa 30 bis 90 mJ/cm². Diese Werte gelten immer nur in Verbindung mit der spektralen Zusammensetzung der Quelle, für die sie ermittelt wurden.

Welche Prozessgrößen sind entscheidend?

ProzessgrößeEinheitWarum sie den Prozess bestimmt
Spektrale Bestrahlungsstärke am ProzessortmW/(cm²·nm)Nur der Anteil, der im Absorptionsband des Lacks oder des Adsorbats liegt, wirkt chemisch. Zwei Quellen mit gleicher Breitbandanzeige können völlig unterschiedliche wirksame Anteile haben.
Bestrahlungsdosis (Bestrahlung)mJ/cm²Bestimmt bei einfachen Photoreaktionen erster Ordnung den Umsatzgrad. Sie ist das Integral der Bestrahlungsstärke über die Zeit, nicht die Prozesszeit selbst.
Bestrahlungsstärkeverteilung über die Fläche% AbweichungUngleichmäßigkeit übersetzt sich direkt in Streuung der kritischen Dimension und in lokal unvollständige Reinigung.
Sauerstoffpartialdruck und GasführungVol.-%, l/minBei 172 nm und 185 nm entsteht die reaktive Spezies erst in der Gasphase. Zu wenig Sauerstoff limitiert die Oxidation; zu träge Gasführung lässt Reaktionsprodukte im Spalt.
Arbeitsabstand im BestrahlungsspaltmmBei VUV wird die Strahlung durch Sauerstoff selbst absorbiert. Der Abstand steuert damit gleichzeitig Strahlungsangebot und Radikalbildung.
Substrat- und Resisttemperatur°CBeeinflusst Adsorption, Diffusion der Photosäure, Entwicklungskinetik sowie – bei LEDs – die Emissionswellenlänge der Quelle.
Schichtdicke und Absorptionskoeffizient des Lacksµm, µm⁻¹Bestimmt das Dosisprofil über die Tiefe und damit das Kantenprofil. Bei dicken Schichten liegt die Dosis am Schichtboden deutlich unter der Oberflächendosis.
Zeitlicher Verlauf der BestrahlungsstärkemW/cm²(t)Bei chemisch verstärkten Systemen und bei sauerstoffinhibierten Reaktionen ist der Verlauf nicht beliebig gegen die Zeit tauschbar.

Was begrenzt den Prozess oder führt zu Fehlern?

Elektrische Leistung ist keine optische Dosis. Der Anteil der elektrischen Leistung, der als nutzbare Strahlung im relevanten Spektralbereich am Prozessort ankommt, liegt bei Gasentladungslampen im Bereich einiger Prozent bis wenige Zehnprozent und sinkt über die Lebensdauer. Reflektoralterung, Fenstertrübung und Ablagerungen wirken multiplikativ. Eine unveränderte Leistungsanzeige schließt einen Dosisverlust von mehreren zehn Prozent nicht aus.

Zeit allein ist keine Prozessgröße. Eine Angabe wie „60 s Bestrahlung“ ist nur innerhalb einer unveränderten Anlagenkonfiguration reproduzierbar. Sobald Lampe, Abstand, Fenster oder Gasführung wechseln, verschiebt sich die Dosis, ohne dass die Zeit dies anzeigt.

Der 185-nm-Anteil wird häufig überschätzt oder ist gar nicht vorhanden. Niederdruck-Quecksilberlampen erzeugen nur dann Ozon, wenn der Kolben aus synthetischem Quarzglas mit hoher VUV-Transmission besteht. Dotierte Kolben blockieren 185 nm bewusst. Zwei Lampen mit identischer 254-nm-Angabe können folglich völlig unterschiedliches Reinigungsverhalten zeigen.

Bei 172 nm begrenzt die Atmosphäre selbst die Reichweite. Der Absorptionsquerschnitt von molekularem Sauerstoff beträgt bei 172 nm etwa 4,6 · 10⁻¹⁹ cm². In Luft unter Normbedingungen ergibt sich daraus eine Abschwächung um den Faktor 1/e nach rund 4 mm und um 90 % nach etwa 10 mm. Ein Arbeitsabstand von 20 mm bedeutet deshalb nicht „etwas weniger Dosis“, sondern praktisch keine VUV-Strahlung mehr an der Oberfläche. Bei 185 nm liegt der Querschnitt um etwa zwei Größenordnungen niedriger; dort sind Abstände von mehreren Zentimetern sinnvoll.

Photonenenergie ist notwendig, aber nicht ausreichend. Ein 254-nm-Photon trägt 471 kJ/mol und liegt damit nominell über der Bindungsenergie einer C–C-Bindung. Gesättigte Kohlenwasserstoffe absorbieren bei dieser Wellenlänge jedoch kaum. Die Reinigungswirkung bei 254 nm entsteht deshalb überwiegend indirekt über die Ozonphotolyse. Wer 254 nm ohne ausreichenden Ozonhaushalt einsetzt, verliert den dominanten Wirkpfad.

Mehr Dosis ist nicht immer besser. Bei überlanger VUV-Behandlung von Silizium steigt die Oberflächenrauheit messbar an, in Untersuchungen zum Direktbonden von 0,30 nm RMS im Ausgangszustand auf etwa 0,94 nm nach 25 min bei 10 mW/cm². Der Kontaktwinkel ist zu diesem Zeitpunkt längst gesättigt. Der Prozess hat also ein Optimum, kein Monotonieverhalten.

Rekontamination ist schneller als erwartet. Aktivierte Oberflächen sind thermodynamisch instabil. Kohlenwasserstoffe aus Umgebungsluft, Verpackung und benachbarten Werkstoffen adsorbieren innerhalb von Minuten bis Stunden erneut. Die Zeit zwischen Aktivierung und Fügen gehört damit zu den Prozessparametern.

Kontaktwinkel und Dosis messen Verschiedenes. Die Dosis belegt, dass ein definierter Strahlungseintrag stattgefunden hat. Der Kontaktwinkel oder die Oberflächenenergie belegen, dass der gewünschte Oberflächenzustand erreicht wurde. Beide Größen ersetzen sich nicht.

Messung neben dem Prozessort ist nicht der Prozessort. Bei Spaltmaßen von wenigen Millimetern, bei Randabfall der Bestrahlungsstärke und bei abschattender Topografie unterscheidet sich der Wert an der Bauteiloberfläche deutlich vom Wert an der Sensorposition in der Kammerwand.

Welchen Einfluss haben Spektrum, Material und Geometrie?

Der spektrale Einfluss wirkt auf drei Ebenen. Erstens auf Seiten der Quelle: Ein Datenblattwert „365 nm“ beschreibt den Schwerpunkt einer Verteilung. Halbwertsbreite, Nebenmaxima und – bei LEDs – die temperaturabhängige Verschiebung des Emissionsmaximums von typisch einigen Zehntel Nanometer pro Kelvin verändern den wirksamen Anteil. Bei Gasentladungslampen verschieben sich die Verhältnisse zwischen g-, h- und i-Linie über die Lebensdauer.

Zweitens auf Seiten des Materials: Photolacke und Photoinitiatoren besitzen Absorptionsbanden mit steilen Flanken. Eine Verschiebung der Quelle um wenige Nanometer kann den absorbierten Anteil um mehrere Prozent bis Zehnprozent verändern. Bei Dickschichtresists tritt zusätzlich die Tiefenabhängigkeit hinzu: Nach Lambert-Beer nimmt die Bestrahlungsstärke exponentiell ab, sodass Oberflächen- und Bodendosis auseinanderfallen. Bei stark absorbierenden Systemen entstehen daraus geneigte Flanken, bei reflektierenden Substraten zusätzlich stehende Wellen.

Drittens auf Seiten der Geometrie: Bei der VUV-Reinigung ist der Bestrahlungsspalt ein Reaktionsraum, kein Transportweg. Der mittlere freie Weg atomaren Sauerstoffs liegt bei Atmosphärendruck im Bereich einiger Mikrometer, sodass die reaktive Spezies nahe ihres Entstehungsorts verbraucht wird. Eine Vergrößerung des Abstands verringert nicht nur die Bestrahlungsstärke, sondern verlagert auch die Radikalbildung von der Oberfläche weg. Bei strukturierten Bauteilen kommen Abschattung, Kantenüberhöhung und – in tiefen Gräben und Sacklöchern – begrenzter Gasaustausch hinzu. Auch die Ozonkonzentration selbst wirkt geometrisch: Bei 1000 ppm Ozon werden über 5 mm Weglänge rund 13 % der 254-nm-Strahlung absorbiert, bei 5000 ppm etwa die Hälfte. Hohe Ozonkonzentration erhöht damit nicht beliebig die Wirkung, sondern beginnt, die auslösende Strahlung abzuschirmen.

Wie lässt sich der Prozess quantitativ beschreiben?

Drei Beziehungen genügen, um die wesentlichen Zusammenhänge zu rechnen.

Photonenenergie. Aus E = h · c / λ folgt die molare Photonenenergie. Sie entscheidet, welche Bindungen überhaupt direkt gespalten werden können.

WellenlängePhotonenenergieMolare EnergieReferenz-Bindungsenergien
172 nm7,21 eV696 kJ/molC–H ≈ 413 kJ/mol
185 nm6,70 eV647 kJ/molC–C ≈ 346 kJ/mol
222 nm5,58 eV539 kJ/molC–O ≈ 358 kJ/mol
254 nm4,88 eV471 kJ/molSi–O ≈ 452 kJ/mol
365 nm3,40 eV328 kJ/molO=O ≈ 498 kJ/mol

Lambert-Beer-Gesetz. E(z) = E₀ · exp(−α · z) beschreibt sowohl die Abschwächung der VUV-Strahlung im sauerstoffhaltigen Spalt als auch das Dosisprofil in der Resistschicht. Der Absorptionskoeffizient α ist wellenlängen- und konzentrationsabhängig; bei Gasen gilt α = σ · n mit dem Absorptionsquerschnitt σ und der Teilchendichte n. Das Modell setzt homogene Absorber, Streufreiheit und konstante optische Eigenschaften voraus. In Photolacken ist die letzte Voraussetzung verletzt, sobald Ausbleichen einsetzt.

Belichtungskinetik nach Dill. Für einen Positivlack gilt in erster Ordnung M/M₀ = exp(−C · E), wobei M die Konzentration des photoaktiven Bestandteils, E die Dosis und C der Dill-Parameter mit der Einheit cm²/mJ ist. Solange diese Beschreibung gilt, ist das Produkt aus Bestrahlungsstärke und Zeit die maßgebliche Größe – das Reziprozitätsgesetz ist erfüllt. Die praktische Konsequenz: Eine Halbierung der Bestrahlungsstärke bei doppelter Zeit liefert dasselbe Ergebnis. Diese Aussage verliert ihre Gültigkeit, wenn eine zweite, nicht photonengetriebene Reaktion beteiligt ist – etwa Säurediffusion im Post-Exposure-Bake chemisch verstärkter Resists, Sauerstoffinhibierung in dicken Schichten oder thermische Effekte bei hohen Bestrahlungsstärken. Dann werden Bestrahlungsstärke und Zeit eigenständige Parameter.

Rechenbeispiel: Photonenbedarf für die Entfernung eines Kohlenwasserstofffilms

Annahmen. Adventiver Kohlenwasserstofffilm von 2 nm Dicke, Dichte 1 g/cm³, mittlere Baueinheit CH₂ mit 14 g/mol. Bestrahlung bei 172 nm. Photonenenergie 1,155 · 10⁻¹⁸ J.

Modell. Flächenbezogene Zahl der Baueinheiten N = d · ρ · NA / M; erforderliche Photonenzahl NPh = N / Φ mit der effektiven Quantenausbeute Φ für den vollständigen Abbau einer Baueinheit; Dosis H = NPh · EPh.

Rechnung. N ≈ 8,6 · 10¹⁵ cm⁻². Bei idealer Ausbeute Φ = 1 ergäbe sich eine Dosis von etwa 10 mJ/cm². Realistisch sind mehrere Photonen je abzubauender Baueinheit, weil Rekombination, Absorption in der Gasphase und unvollständige Oxidation Verluste verursachen. Für Φ = 0,1 folgt rund 100 mJ/cm², für Φ = 0,03 rund 330 mJ/cm².

Ergebnis und Interpretation. Bei einer typischen VUV-Bestrahlungsstärke von 10 mW/cm² an der Oberfläche entsprechen 100 mJ/cm² etwa 10 s. Beobachtete Prozesszeiten von mehreren Minuten bis zum Erreichen eines Kontaktwinkels unter 5° liegen deutlich darüber. Die Differenz ist kein Widerspruch, sondern die eigentliche Information: Sie quantifiziert die Verluste durch Gasphasenabsorption, Abtransport der Reaktionsprodukte und Diffusionsbegrenzung. Wer Prozesszeiten übertragen will, muss deshalb die Bestrahlungsstärke am Prozessort kennen; die Zeitangabe allein ist nicht übertragbar.

Rechenbeispiel: Dosisfehler durch spektrale Fehlanpassung

Annahmen. i-Linien-Positivlack mit Dosis-zu-Klar von 110 mJ/cm², Kontrast γ = 3. Belichtung mit einer Mitteldrucklampe, überwacht mit einem Breitband-Radiometer, das bei 365 nm kalibriert wurde, dessen Empfindlichkeit aber auch Anteile bei 405 nm und 436 nm erfasst.

Modell. Die Anzeige entspricht dem Integral über srel(λ) · Eλ dλ. Verschiebt sich das Linienverhältnis der Lampe über die Lebensdauer, ändert sich die Anzeige anders als die wirksame Dosis. Die verbleibende Restdicke folgt näherungsweise Δd/d ≈ −γ · ΔE/E.

Rechnung. Eine spektrale Fehlanpassung von 10 % bedeutet bei γ = 3 eine relative Änderung der entwickelten Schichtdicke von rund 30 %.

Interpretation. Der Kontrast des Resists verstärkt Dosisfehler. Deshalb ist die einmalige spektrale Charakterisierung der Quelle keine Formalität, sondern die Voraussetzung dafür, dass eine anschließende breitbandige Überwachung überhaupt interpretierbar bleibt.

Wo werden UV-Reinigung und UV-Belichtung eingesetzt?

Halbleiter-Front-End. Reinigung und Aktivierung vor Abscheidung, Oxidation oder Bonden; Photostabilisierung; Waferkantenbelichtung nach der Lackbeschichtung. Kritisch ist hier die Freiheit von Partikeleintrag und die Reproduzierbarkeit des Grenzflächenzustands über den gesamten Wafer, bis in den Randbereich.

Advanced Packaging und Aufbautechnik. Belichtung dicker Resists für Umverdrahtungsschichten, temporäres Bonden und UV-Debonding, Verguss und Verkapselung, Reinigung vor Drahtbonden, Löten und Molding. Kritische Prozessgröße ist die Dosis über die gesamte, zunehmend großformatige Fläche sowie die Dosis am Boden dicker Lackschichten.

Direkt- und Hybridbonden. Die VUV/O₃-Aktivierung erzeugt hydrophile, kohlenstoffarme Oberflächen und ermöglicht Bondfestigkeiten bei deutlich niedrigeren Temperaturen als konventionelles hydrophiles Bonden. Kritisch sind Kontaktwinkel, Rauheitszunahme und die Zeit bis zum Fügen.

Sensor- und Optikfertigung. UV-Aktivierung vor dem Verkleben von Glas, Quarz, Keramik und Kunststoffen; Belichtung strukturierter Funktionsschichten. Kritisch ist die spektrale Passung zwischen Quelle und Initiator sowie die Vermeidung von Materialschädigung an kurzen Wellenlängen.

Automotive-Elektronik und Leistungselektronik. Reinigung vor dem Fügen von Leistungsmodulen, Verguss und Verkapselung mit hohen Anforderungen an Haftfestigkeit unter Temperaturwechsel. Kritisch ist die belegbare Dosishistorie, weil das Prozessergebnis am fertigen Modul kaum zerstörungsfrei prüfbar ist.

Medizintechnik und Life-Science-Bauelemente. Aktivierung von Polymeren und Mikrofluidik-Substraten, Belichtung von Resists für Mikrostrukturen. Kritisch sind Materialverträglichkeit und dokumentierte Prozessparameter.

Forschung und Metrologie. Bestrahlungskammern mit definierter, homogener Bestrahlungsstärke für Kinetikuntersuchungen, Materialalterung und die Ermittlung von Wirkfunktionen.

Angrenzende Anwendungsfelder: UV-Kleben, Vergießen und Verkapseln, Optik und Präzisionsbauteile.

Welche Lösungen gibt es für besondere Prozessbedingungen?

  • Sauerstoffarme Prozesse. Soll bei 172 nm überwiegend direkte Photolyse ohne oxidative Ozonchemie wirken, wird der Spalt mit Stickstoff inertisiert. Dann steigt die Reichweite der VUV-Strahlung deutlich, die oxidative Komponente entfällt weitgehend – die Prozessführung verschiebt sich von Oxidation zu Bindungsspaltung und Umlagerung.
  • Temperaturempfindliche Baugruppen. Excimerquellen bei 172 nm und 222 nm sowie LED-Systeme arbeiten mit geringer Infrarotlast; die thermische Belastung des Substrats bleibt niedrig, was bei bereits montierten Bauteilen und Polymeren entscheidend ist.
  • Selektive Bestrahlung kleiner Flächen. Für Waferkanten, Bondpads und Fügeflächen sind maskierte oder als Linien- und Punktquelle ausgeführte Systeme sinnvoll; die Homogenitätsprüfung muss dann in derselben Geometrie erfolgen wie der Prozess.
  • Tiefe Strukturen und Sacklöcher. Wo Gasaustausch limitiert, hilft weder mehr Bestrahlungsstärke noch mehr Zeit allein. Wirksam sind Pulsbetrieb mit Spülphasen, Druckwechsel oder eine Umstellung auf Verfahren mit anderer Transportcharakteristik.
  • Ozonvermeidung. Wo Ozon aus Arbeitsschutz- oder Materialgründen unerwünscht ist, kommen 222-nm-Quellen, dotierte Lampenkolben oder ozonarme Prozessatmosphären in Betracht; die Reinigungswirkung verschiebt sich dabei nachweislich, sodass eine erneute Prozessqualifizierung erforderlich ist.

Welche Größen müssen gemessen oder überwacht werden?

Die Messaufgabe folgt unmittelbar aus der Prozessaufgabe. Für die UV-Reinigung und Aktivierung ist die Zielgröße der Oberflächenzustand; gemessen werden Wasserkontaktwinkel oder Oberflächenenergie nach etablierten Verfahren, ergänzt um Verfahren zur Bestimmung des Restkohlenstoffs. Diese Größen sind jedoch keine Prozessregelgrößen, weil sie stichprobenartig und außerhalb des Prozesses ermittelt werden. Als regelbare Führungsgröße dient die Bestrahlungsdosis am Prozessort, ergänzt um die Ozonkonzentration oder den Sauerstoffgehalt im Spalt.

Für die UV-Belichtung von Photolack ist die Zielgröße die absorbierte Dosis in der Lackschicht. Gemessen wird die Bestrahlungsstärke in der Waferebene, integriert über die Belichtungszeit, zusätzlich die Homogenität über die Belichtungsfläche.

Bei der Wahl des Messverfahrens gilt:

  • Eine spektrale Messung ist erforderlich, wenn eine Quelle erstmals charakterisiert wird, wenn Technologien verglichen werden – etwa Quecksilberlampe gegen UV-LED –, wenn ein Lack- oder Initiatorwechsel ansteht oder wenn Alterungseffekte am Linienspektrum vermutet werden. Nur die spektrale Bestrahlungsstärke erlaubt es, den wirksamen Anteil im Absorptionsband zu berechnen – gemessen mit einem Spektralradiometer wie dem UVpad oder dem SR900.
  • Eine breitbandige Messung ist ausreichend für die laufende Überwachung eines qualifizierten, spektral bekannten Prozesses – für wiederkehrende Handmessungen etwa mit dem RMD Pro. Voraussetzung ist, dass die spektrale Empfindlichkeit des Sensors zum Quellenspektrum passt und die spektrale Fehlanpassung quantifiziert wurde.
  • Räumlich auflösende Messungen werden notwendig, wenn große Flächen, Randbereiche oder mehrere Quellen beteiligt sind.
  • Zeitlich auflösende Messungen werden notwendig bei gepulstem Betrieb, bei Durchlaufanlagen und bei chemisch verstärkten Systemen, in denen die Reziprozität nicht gesichert ist.

Zur Messunsicherheit tragen vor allem die spektrale Fehlanpassung, die Abweichung von der idealen Kosinusbewertung, Temperatur- und Linearitätseffekte des Detektors sowie die Positionierunsicherheit im Bestrahlungsspalt bei. Bei VUV-Messungen kommt hinzu, dass der Sensor selbst Teil der Absorptionsstrecke ist: Sensorgeometrie und Anströmung verändern das Messergebnis. Eine rückführbare Kalibrierung – etwa durch ein nach ISO/IEC 17025 akkreditiertes Kalibrierlabor – legt den systematischen Anteil dieser Unsicherheit fest, ersetzt aber nicht die anwendungsbezogene Betrachtung der spektralen Fehlanpassung.

Wie wird der Prozess in automatisierten Anlagen überwacht?

Die Anforderung ist nicht die Schnittstelle, sondern die Aussagekraft des übertragenen Werts. Sinnvoll ist eine Struktur aus drei Ebenen.

Ebene 1 – Referenzcharakterisierung. Spektrale Vermessung der Quelle in Prozessgeometrie, einmalig und nach jedem Eingriff. Ergebnis sind das relative Spektrum, die Homogenitätskarte und die Umrechnungsfaktoren zwischen Prozessort und dauerhaft installierter Sensorposition.

Ebene 2 – Stationäre Prozessüberwachung. Fest installierte, temperaturstabilisierte Sensoren an definierter Position liefern kontinuierlich Bestrahlungsstärke und daraus die Dosis je Bauteil – Inline-Sensoren bleiben dauerhaft im Strahlengang, der PLC.net liefert seine Werte über Ethernet an die Steuerung, der PLC.D deckt serielle Anbindung und Triggerbetrieb ab. Kritisch ist die Übertragbarkeit: Ohne den in Ebene 1 bestimmten Faktor beschreibt der Sensor nur sich selbst.

Ebene 3 – Regelung und Rückverfolgbarkeit. Aus der gemessenen Dosis werden Lampen- oder LED-Leistung nachgeführt, Alterungstrends erkannt und Wartungsintervalle abgeleitet. Die Dosis je Bauteil wird zusammen mit Identifikation, Zeitstempel und Anlagenzustand archiviert. Damit wird ein Prozess dokumentierbar, dessen Ergebnis am Endprodukt nicht mehr zerstörungsfrei prüfbar ist.

Technisch bedeutsam ist der Übergang von der Zeitsteuerung zur Dosissteuerung: Eine Anlage, die auf eine Zieldosis regelt, kompensiert Lampenalterung und Fenstertrübung selbstständig, solange der Sensor kalibriert und der Umrechnungsfaktor gültig ist. Eine Anlage, die auf Zeit fährt, verliert diese Kompensation vollständig. Wie solche Messketten in Steuerungsumgebungen eingebunden werden, beschreibt die Marktseite UV-Technik für Automatisierung und Prozessintegration.

Welche Entwicklungen prägen den Markt?

  • Ablösung von Quecksilberlampen mit konkretem Zeitbezug. Die befristete RoHS-Ausnahme für UV-Quecksilberlampen bis Februar 2027 betrifft ausdrücklich die i-Linien-Photolithografie und die Waferkantenbelichtung. Technische Konsequenz: Bei einem Wechsel auf UV-LED ändert sich das Spektrum von einem Linienspektrum mit Kontinuum zu einer schmalen Bande. Dosisrezepturen sind nicht 1:1 übertragbar, und Sensoren mit lampenspezifischer Bewertung müssen neu bewertet werden.
  • Steigende Effizienz und Leistungsdichte der UV-LEDs. Im UV-A-Bereich sind Wandsteckdosen-Effizienzen von 40 bis 55 % erreichbar; im UV-C-Bereich bei 265 nm werden inzwischen Effizienzen um 10 % bei einigen hundert Milliwatt optischer Leistung berichtet. Technische Konsequenz: kürzere Belichtungszeiten und stabilere Dosisführung, aber neue Anforderungen an Thermomanagement, weil die Emissionswellenlänge temperaturabhängig ist. Was die LED-Technik nach Wellenlängen heute leistet, fasst der Beitrag UV-LEDs für UVA, UVB und UVC zusammen.
  • Ozonarme Kurzwellenquellen. 222-nm-KrCl-Quellen erweitern das Prozessfenster dort, wo Ozon vermieden werden muss. Technische Konsequenz: Der Wirkpfad verschiebt sich von der Ozonchemie zur direkten Photolyse, was Prozesszeiten und Materialverträglichkeit verändert.
  • Hybrid Bonding und 3D-Integration. Grenzflächen entscheiden über Ausbeute bei sehr hohen Verbindungsdichten. Technische Konsequenz: Oberflächenaktivierung wird von einer Vorbehandlung zu einem qualifizierten, messtechnisch abgesicherten Prozessschritt mit engem Prozessfenster – einschließlich Obergrenze der Bestrahlung wegen Rauheitszunahme.
  • Dickschicht- und Panel-Level-Prozesse. Größere Formate und dickere Resists verschieben das Problem von der Auflösung zur Homogenität und zum Dosisprofil über die Tiefe. Technische Konsequenz: flächige Homogenitätsmessung statt Punktmessung.
  • Inline-Messtechnik und digitale Prozessregelung. Dosisbasierte Regelung mit archivierter Bestrahlungshistorie ersetzt zunehmend die zeitbasierte Steuerung. Technische Konsequenz: Lampenalterung wird zu einem beobachtbaren, nicht zu einem verborgenen Parameter.

Was zeigen wissenschaftliche Veröffentlichungen?

Fünf Arbeiten liefern die fachliche Grundlage für die zentralen Aussagen dieses Textes zu Reinigungsmechanismus, Prozessoptimum und Belichtungskinetik:

  1. Grundlagen der UV/Ozon-Reinigung. Die systematische Zusammenführung der Mechanismen – direkte Photolyse, Ozonbildung bei 185 nm, Ozonphotolyse bei 254 nm und die Bedeutung kleiner Abstände zwischen Lampe und Oberfläche – erfolgte in einem Übersichtsbeitrag, der bis heute als Referenz für Prozessauslegung und Vorreinigungsanforderungen dient. – Vig, J. R.: UV/ozone cleaning of surfaces, Journal of Vacuum Science & Technology A 3(3), 1027–1034, 1985.
  2. VUV/O₃-Aktivierung für Niedertemperatur-Direktbonden. Untersucht wurde die Wirkung von 172-nm-Bestrahlung bei 10 mW/cm² und 2 mm Abstand auf Silizium und Quarzglas. Der Wasserkontaktwinkel sinkt von rund 70° auf unter 2° innerhalb weniger Minuten, die Bondfestigkeit erreicht bei 200 °C Werte oberhalb konventioneller hydrophiler Verfahren bei 400 °C, während die Rauheit bei überlanger Bestrahlung deutlich zunimmt. Die Arbeit belegt sowohl die Wirksamkeit als auch die Existenz eines Prozessoptimums. – Xu, J.; Wang, C.; Wang, T.; Wang, Y.; Kang, Q.; Liu, Y.; Tian, Y.: Mechanisms for low-temperature direct bonding of Si/Si and quartz/quartz via VUV/O₃ activation, RSC Advances 8, 11528–11535, 2018.
  3. Dosisabhängige Materialveränderung durch UV-Ozon. An zweidimensionalen Halbleitern wurde gezeigt, dass UV-Ozon-Behandlung optische und elektrische Eigenschaften gezielt einstellt, oberhalb einer optimalen Behandlungsdauer aber irreversibel verschlechtert. Für die Prozesspraxis folgt daraus, dass „gereinigt“ und „unverändert“ nicht gleichzeitig beliebig lange gelten. – Sarcan, F., et al.: Ultraviolet-Ozone Treatment: An Effective Method for Fine-Tuning Optical and Electrical Properties of Suspended and Substrate-Supported MoS₂, Nanomaterials 13(23), 3034, 2023.
  4. Quantitative Beschreibung der Photolackbelichtung. Die Einführung der später als Dill-Parameter A, B und C bezeichneten Größen schuf die Grundlage dafür, Belichtung als kinetischen Prozess mit messbaren Materialkonstanten zu behandeln, statt sie empirisch über Zeitangaben zu führen. – Dill, F. H.; Hornberger, W. P.; Hauge, P. S.; Shaw, J. M.: Characterization of positive photoresist, IEEE Transactions on Electron Devices 22(7), 445–452, 1975.
  5. Absorption und Photonenstatistik moderner Resists. Messungen dynamischer Absorptionskoeffizienten zeigen, dass bei kurzen Wellenlängen und niedrigen Dosen die Zahl der absorbierten Photonen je Volumen so klein wird, dass statistische Effekte das Prozessfenster mitbestimmen. Das erklärt, warum Dosisreduktion nicht beliebig als Produktivitätsgewinn realisierbar ist. – Fallica, R.; Stowers, J. K.; Grenville, A.; Frommhold, A.; Robinson, A. P. G.; Ekinci, Y.: Dynamic absorption coefficients of chemically amplified resists and nonchemically amplified resists at extreme ultraviolet, Journal of Micro/Nanolithography, MEMS, and MOEMS 15(3), 033506, 2016.

UV-Belichtung und Mikrostrukturierung in Kundenveröffentlichungen

Auch in den Veröffentlichungen von Opsytec-Kunden tauchen UV-Belichtung und Mikrostrukturierung in mehreren Facetten auf – von der Photolithographie im Mikrofluidikchip bis zur dosisabhängigen Materialantwort eines Photolacks.

Zeigt, dass sich Hydrogel-Mikrostrukturen in Mikrofluidikchips mit einfacher UV-Photolithographie in VLSI-tauglicher Dichte herstellen lassen – Belichtungsdosis und Maskengeometrie bestimmen die erreichbare Strukturtreue.
Hydrogel patterns in microfluidic devices by do-it-yourself UV-photolithography suitable for very large-scale integration
Beck, Anthony, et al. "Hydrogel patterns in microfluidic devices by do-it-yourself UV-photolithography suitable for very large-scale integration." Micromachines 11.5 (2020): 479.

Misst den belichtungsabhängigen Brechungsindex eines Photolacks – ein direkter Beleg dafür, dass die absorbierte Dosis die Materialeigenschaften über die reine Strukturübertragung hinaus bestimmt.
Exposure-dependent refractive index of Nanoscribe IP-Dip photoresist layers
Dottermusch, Stephan, et al. "Exposure-dependent refractive index of Nanoscribe IP-Dip photoresist layers." Optics letters 44.1 (2018): 29-32.

Nutzt photolithographisch mikrostrukturierte Polymerträger für die serielle Kristallographie an Synchrotronen – UV-Mikrostrukturierung außerhalb der klassischen Chipfertigung, mit denselben Anforderungen an Dosis und Homogenität.
Micro-structured polymer fixed targets for serial crystallography at synchrotrons and XFELs
Carrillo, Melissa, et al. "Micro-structured polymer fixed targets for serial crystallography at synchrotrons and XFELs." IUCrJ 10.6 (2023).

Untersucht die UV-induzierte Degradation an Silizium-Heterojunction-Solarzellen unter definierter Bestrahlung – dieselbe Frage nach Dosis und Spektrum, gestellt am fertigen Halbleiterbauelement.
Passivating Contacts-Related Ultraviolet-Induced Degradation in Silicon Heterojunction Solar Cells
Xu, Binbin, et al. "Passivating Contacts-Related Ultraviolet-Induced Degradation in Silicon Heterojunction Solar Cells." Small Structures 7.6 (2026).

Weitere Arbeiten aus verwandten Feldern sind in den Veröffentlichungen von Kunden nach Themen zusammengestellt.

Fachliche Grundlagen und weiterführende Quellen

  1. Vig, J. R.: UV/ozone cleaning of surfaces. Journal of Vacuum Science & Technology A 3(3), 1027–1034 (1985). DOI 10.1116/1.573115 – Mechanismen der UV/Ozon-Reinigung, Abstandsabhängigkeit, Vorreinigungsanforderungen.
  2. Dill, F. H.; Hornberger, W. P.; Hauge, P. S.; Shaw, J. M.: Characterization of positive photoresist. IEEE Transactions on Electron Devices 22(7), 445–452 (1975). DOI 10.1109/T-ED.1975.18159 – kinetische Beschreibung der Belichtung, Dill-Parameter A, B, C.
  3. Xu, J., et al.: Mechanisms for low-temperature direct bonding of Si/Si and quartz/quartz via VUV/O₃ activation. RSC Advances 8, 11528–11535 (2018). DOI 10.1039/C7RA13095C – 172-nm-Aktivierung, Kontaktwinkel, Bondfestigkeit, Rauheitsgrenze.
  4. CIE 220:2016, Characterization and Calibration Method of UV Radiometers, sowie CIE S 017 (ILV) und DIN 5031-7 – Definition der UV-Spektralbereiche, spektrale Fehlanpassung, Kalibrier- und Charakterisierungsverfahren für UV-Radiometer.
  5. ISO 19403-2, Wettability – Determination of the surface free energy of solid surfaces by measuring the contact angle, und ISO/IEC 17025:2018, Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien – normative Grundlagen für Oberflächenbewertung und rückführbare Strahlungsmessung.
  6. SEMI, Mid-Year Total Semiconductor Equipment Forecast (2026), WSTS Semiconductor Market Forecast, Spring 2026 und Yole Group, Status of the Advanced Packaging Industry (2025) – Marktindikatoren für Front-End-, Back-End- und Advanced-Packaging-Investitionen; jeweils mit Jahresangabe zitiert.

FAQ zu UV-Reinigung und UV-Belichtung in der Halbleiterfertigung

Wie funktioniert die UV-Ozon-Reinigung von Wafern?
Kurzwellige UV-Strahlung spaltet Bindungen in organischen Adsorbaten und erzeugt gleichzeitig aus Luftsauerstoff Ozon sowie atomaren Sauerstoff. Diese reaktiven Spezies oxidieren Kohlenwasserstoffe zu CO₂ und H₂O. Der Prozess ist trocken, berührungslos und partikelarm; das Ergebnis zeigt sich als Absinken des Wasserkontaktwinkels und als Anstieg der Oberflächenenergie.

Welche Wellenlänge eignet sich für die UV-Reinigung von Halbleiteroberflächen?
Die Kombination 185/254 nm aus Niederdruck-Quecksilberlampen wirkt überwiegend indirekt über Ozonbildung und Ozonphotolyse und erlaubt größere Arbeitsabstände. Xenon-Excimerstrahlung bei 172 nm wirkt zusätzlich direkt, weil ihre Photonenenergie von 7,2 eV über den Bindungsenergien von C–C, C–H und C–O liegt. 222 nm ist eine Option, wenn Ozon vermieden werden soll.

Warum funktioniert eine 172-nm-Reinigung bei größerem Abstand nicht?
Molekularer Sauerstoff absorbiert bei 172 nm stark. In Luft unter Normbedingungen sinkt die Bestrahlungsstärke nach etwa 4 mm auf 1/e und nach rund 10 mm auf ein Zehntel. Zugleich entsteht der reaktive Sauerstoff dann nicht mehr an der Oberfläche. Übliche Arbeitsabstände liegen deshalb im Bereich von 1 bis 3 mm.

Welche Dosis ist für die UV-Belichtung von Photolack erforderlich?
Die Dosis richtet sich nach Lacktyp, Schichtdicke, Substratreflexion und Quellenspektrum. Dünne i-Linien-Positivlacke benötigen im Mask Aligner typisch 65 bis 110 mJ/cm², Dickschichtresists für Umverdrahtungsschichten Größenordnungen um 180 mJ/cm². Solche Werte sind nur zusammen mit dem Spektrum, für das sie ermittelt wurden, übertragbar.

Was ist der Unterschied zwischen Bestrahlungsstärke und Bestrahlungsdosis?
Die Bestrahlungsstärke in mW/cm² beschreibt die momentan auftreffende Strahlungsleistung pro Fläche. Die Dosis in mJ/cm² ist deren Integral über die Zeit. Für Photoreaktionen erster Ordnung bestimmt die Dosis den Umsatz. Sobald Diffusions- oder thermische Vorgänge mitwirken, wird die Bestrahlungsstärke zu einem eigenständigen Parameter.

Warum reicht die elektrische Lampenleistung nicht zur Prozessbeurteilung?
Nur ein Teil der elektrischen Leistung wird in nutzbare Strahlung des relevanten Spektralbereichs umgesetzt, und nur ein Teil davon erreicht die Bauteiloberfläche. Reflektoralterung, Fenstertrübung, Abstand und Absorption in der Prozessatmosphäre wirken multiplikativ. Eine unveränderte elektrische Leistung schließt einen erheblichen Dosisverlust nicht aus.

Wie wird die UV-Dosis in einer Fertigungsanlage gemessen?
Zunächst wird die Quelle spektral in Prozessgeometrie charakterisiert und daraus der Zusammenhang zwischen Prozessort und dauerhafter Sensorposition bestimmt. Anschließend übernimmt ein kalibrierter, breitbandiger Sensor an fester Position die laufende Überwachung. Die Dosis wird bauteilbezogen archiviert, um Alterungstrends und Prozessabweichungen belegen zu können.

Wann ist eine spektrale Messung zwingend erforderlich?
Bei Erstcharakterisierung einer Quelle, beim Vergleich unterschiedlicher Technologien wie Quecksilberlampe und UV-LED, bei Wechsel von Lack oder Photoinitiator sowie bei Verdacht auf Alterungsverschiebungen des Spektrums. Breitbandmessungen können in diesen Fällen systematische Fehler von mehreren zehn Prozent verdecken.

Fachexperte

Autor: Dr. Mark Paravia

Dr.-Ing. Mark Paravia ist Geschäftsführer der Opsytec Dr. Gröbel GmbH in Ettlingen und leitet das akkreditierte Kalibrierlabor. Nach seiner Forschung zu gepulsten Xenon-Excimer-Entladungen am Lichttechnischen Institut des KIT gilt sein Schwerpunkt heute der optischen Strahlungsmesstechnik. Er ist anerkannter UV-Experte, stellvertretender Obmann im DIN-Normungsausschuss FNL 7 „Optische Strahlung" und Mitglied im DVGW-Projektkreis UV-Desinfektion.

Beratung zur UV-Prozessmesstechnik

Unklar, welche Bestrahlungsstärke bei 172 nm tatsächlich im wenige Millimeter breiten Spalt an der Waferoberfläche ankommt – oder wie viel Dosis am Boden einer 15 µm dicken Resistschicht verbleibt? Eine spektrale Vermessung in Prozessgeometrie und eine rückführbare Kalibrierung der eingesetzten Sensorik klären, ob ein Prozessfenster real ist oder nur nominell – schreiben Sie uns Ihre Fragestellung.