UV-Alterung von 3D-Druckmaterialien
Von den vier hier verglichenen 3D-Druckmaterialien ist ASA das einzige, das für dauerhafte UV- und Witterungsbelastung im Freien ausgelegt ist; PLA und Standard-PETG sind dafür ungeeignet. Unter kurzzeitiger UV-C-Bestrahlung kehrt sich das Verhältnis der beiden letzteren um: Nach 24 Stunden bei 254 nm verliert PETG 38 % seiner Zugfestigkeit, PLA nur 9 % [1]. „Beständig gegen Sonnenlicht“ und „beständig gegen UV-C“ sind also keine austauschbaren Eigenschaften.
3D-gedruckte Kunststoffteile, die im Freien oder unter UV-Bestrahlung eingesetzt werden, verändern sich mit der Zeit: Sie können ausbleichen, spröde werden oder an Festigkeit verlieren. Verantwortlich dafür ist energiereiche ultraviolette (UV-)Strahlung, die chemische Bindungen im Kunststoff aufbrechen kann – ein Vorgang, der als photooxidative Alterung bezeichnet wird. Man unterscheidet dabei grob drei Bereiche:
- UV-A (315–400 nm): der größte Anteil des UV-Lichts der Sonne, verantwortlich für langsame Alterung über Monate und Jahre.
- UV-B (280–315 nm): energiereicherer Sonnenanteil, beschleunigt die Alterung zusätzlich.
- UV-C (200–280 nm): kommt in der Natur kaum an der Erdoberfläche an, wird aber gezielt in Desinfektionsgeräten eingesetzt, da sie besonders wirksam Keime abtötet – und aus demselben Grund auch Kunststoffe besonders stark angreifen kann [8].
Aber wie stabil sind gängige 3D-Druckmaterialien – PLA, TPU, PETG und ASA – gegenüber UV-Licht und UV-C-Strahlung? Die folgende Übersicht fasst zusammen, was sich dazu mit Messwerten belegen lässt und wo die Datenlage dünn bleibt.
Die Spektralbereiche selbst behandelt Was ist UV-Strahlung? ausführlich, die Alterungsmechanismen an Werkstoffen UV-Alterung, Farbechtheit und Photostabilität. Die Messtechnik im Druck- und Nachhärtungsprozess ordnet UV-Messtechnik für additive Fertigung und 3D-Druck ein.
Kurz erklärt: die wichtigsten Kennwerte
Die zitierten Studien beschreiben die UV-Schädigung über drei mechanische Größen. Sie sagen jeweils etwas anderes aus:
- Zugfestigkeit: die Kraft pro Fläche, die ein Bauteil aushält, bevor es reißt. Eine sinkende Zugfestigkeit nach UV-Belastung bedeutet, dass das Material schwächer geworden ist.
- Bruchdehnung: wie stark sich ein Material dehnen lässt, bevor es bricht. Eine sinkende Bruchdehnung zeigt an, dass ein Material spröder wird.
- Versprödung: der Kunststoff verliert seine Elastizität und bricht leichter – oft ein sichtbares Frühzeichen von UV-Schäden.
Kernaussage: ASA im Freien, PLA unter UV-C robuster als PETG
Unter den vier verglichenen Materialien ist ASA für dauerhafte UV- und Witterungsbelastung am besten geeignet, PLA und Standard-PETG sind dafür ungeeignet. Ein zentraler, gegen die übliche Erwartung laufender Befund: Unter kontrollierter UV-C-Bestrahlung über 24 Stunden verliert PETG deutlich mehr Festigkeit (−38 %) als PLA (−9 %) [1]. Das zeigt, dass „gut bei Sonnenlicht“ nicht automatisch „gut bei UV-C“ bedeutet – beide Strahlungsarten wirken unterschiedlich auf denselben Kunststoff.
UV- und UV-C-Verhalten der vier Materialien
Die folgende Tabelle stellt das Verhalten unter natürlicher Sonnenbewitterung und unter UV-C-Bestrahlung nebeneinander. Die UV-C-Werte für PLA und PETG stammen aus derselben Versuchsreihe und sind daher direkt vergleichbar; für TPU und ASA fehlen Messwerte mit vergleichbarer Methodik.
| Material | Verhalten unter Sonnenbewitterung | Verhalten unter UV-C (24 h, 254 nm, 10 W/m²) | Einordnung |
|---|---|---|---|
| PLA | Nicht UV-stabil: Versprödung und Verfärbung bei längerer Außennutzung [2]. | Keine sichtbare Veränderung; Zugfestigkeit −9,1 %, Druckfestigkeit −13,1 %, E-Modul praktisch unverändert [1]. | Innenanwendungen; kurze UV-C-Zyklen mechanisch vertretbar. |
| TPU | Standardtypen sind nicht UV-stabil; mit UV-Additiven deutlich verbessert [3]. | Keine belastbaren Daten verfügbar. | Außeneinsatz nur mit UV-stabilisierender Additivierung. |
| PETG | Besser als PLA, aber nicht für dauerhafte UV-Last ausgelegt; kann unter Dauersonne gummiartig weich werden [4]. | Deutlich stärkere Schädigung als PLA: Zugfestigkeit −38,1 %, Druckfestigkeit −33,9 %, Bruchdehnung 3,06 % auf 1,36 %, sichtbare Vergilbung und Glanzverlust [1]. | Für wiederkehrende UV-C-Belastung ungeeignet. |
| ASA | Gezielt für UV- und Witterungsbeständigkeit entwickelt; rund 85 % der Zugfestigkeit nach 2.000 h nach ASTM G154 [6]; 122 Tage im Freiland ohne signifikante Verluste [7]. | Keine quantifizierten Messwerte verfügbar. | Erste Wahl bei dauerhafter UV- und Witterungslast. |
PLA: moderat unter UV-C, ungeeignet im Freien
PLA ist das Einsteigermaterial im 3D-Druck: günstig und leicht zu drucken, aber empfindlich gegenüber Wärme und UV-Licht.
- Allgemein nicht UV-stabil: Versprödung und Verfärbung bei längerer Außennutzung [2].
- Unter UV-C (24 h, 10 W/m², 254 nm): keine sichtbaren Veränderungen, Zugfestigkeit −9,1 % (29,54 auf 26,86 MPa), Druckfestigkeit −13,1 %, E-Modul praktisch unverändert (−1,9 %, statistisch nicht signifikant) [1].
- Fazit: Kurzzeitige UV-C-Exposition wird mechanisch vergleichsweise moderat vertragen, dauerhafte Sonnenbewitterung dagegen nicht.
TPU: außentauglich nur mit UV-Additiven
TPU ist ein gummiartiges, flexibles Material, das sich biegen und dehnen lässt – etwa für Dichtungen oder Griffe.
- Standard-TPU ist nicht UV-stabil [3].
- Mit UV-Additiven – Zusatzstoffen wie Titandioxid oder Zinkoxid, die UV-Licht absorbieren – lassen sich die UV-Beständigkeit sowie der Erhalt von Zugfestigkeit und Bruchdehnung nach UV-Alterung deutlich verbessern; konkrete Zahlenwerte nennt die Quelle nicht [3].
- Keine belastbaren UV-C-spezifischen Daten verfügbar.
PETG: unter UV-C deutlich stärker geschädigt als PLA
PETG ist zäher und schlagfester als PLA und wird deshalb häufig für Funktionsbauteile eingesetzt.
- Bessere Witterungsbeständigkeit als PLA, aber nicht für dauerhafte UV-Last ausgelegt; kann unter Dauersonne gummiartig weich werden [4].
- Unter UV-C (identische Bedingungen wie PLA): deutlich stärkere Schädigung als PLA – Zugfestigkeit −38,1 % (31,30 auf 19,48 MPa), Druckfestigkeit −33,9 %, Bruchdehnung von 3,06 % auf 1,36 % (starke Versprödung), sichtbare Vergilbung und Glanzverlust [1].
- Speziell UV-stabilisierte PETG-Varianten existieren für Außenanwendungen (maximale Dauergebrauchstemperatur 70 °C), sind aber nicht mit Standard-PETG für den 3D-Druck gleichzusetzen [5].
ASA: für dauerhafte UV- und Witterungslast entwickelt
ASA wurde speziell für den Außeneinsatz entwickelt und gilt als das witterungsbeständigste der hier verglichenen Druckmaterialien.
- Gezielt für UV- und Witterungsbeständigkeit entwickelt: Der UV-empfindliche Kautschukanteil von ABS ist durch einen UV-stabileren Acrylester ersetzt [2].
- Erhält rund 85 % der Zugfestigkeit nach 2.000 Stunden UV-Bestrahlung im Labortest nach ASTM G154 [6].
- 122-tägiger Freilandtest: keine signifikanten Eigenschaftsverluste unter intensiver UV-Last [7].
- Keine quantifizierten UV-C-spezifischen Messwerte verfügbar. Eine Laborangabe von 100 h direkter UV-C-Bestrahlung ohne erkennbare Veränderung ist angesichts der generellen UV-Robustheit plausibel, methodisch aber nicht mit der PLA/PETG-Studie vergleichbar.
Wie die UV-C-Werte zustande kommen
Die UV-C-Werte für PLA und PETG stammen aus einer 2021 in Polymers veröffentlichten Versuchsreihe [1]. Die gedruckten Prüfkörper wurden dort 24 Stunden lang bei 254 nm und 10 W/m² bestrahlt, die Rückwandtemperatur lag bei 50 °C; anschließend kühlten die Proben vier Stunden bei Raumtemperatur ab, bevor Zug- und Druckversuche folgten. Als Bestrahlungsgerät nennt die Arbeit die UV-Bestrahlungskammer BS-02 von Opsytec Dr. Gröbel.
Zwei Punkte entscheiden darüber, ob sich solche Werte auf den eigenen Anwendungsfall übertragen lassen. Erstens beziehen sie sich auf die gemessene Bestrahlungsstärke am Probenort und die daraus folgende Dosis, nicht auf eine Geräteeinstellung – ohne Messung ist eine Belastung nicht vergleichbar. Zweitens gelten sie für Prüfkörper mit definierter Schichtstärke, Ausrichtung und Füllung; Wandstärke, Füllgrad und Farbpigmentierung verschieben das Ergebnis erheblich. Wer die UV-Beständigkeit eines konkreten Bauteils belegen muss, prüft es deshalb im eigenen Aufbau: UV-Bestrahlungskammern liefern dafür die reproduzierbaren Randbedingungen, einschlägige Normen und Richtlinien den Rahmen für die Prüfbedingungen.
Empfehlungen für UV-Anwendungen
- Dauerhafter Außeneinsatz mit hoher UV-Last: ASA bevorzugen.
- Kurzzeitige oder wiederkehrende UV-C-Desinfektionszyklen in der Größenordnung von Stunden: PLA zeigt in der einzigen verfügbaren Vergleichsstudie geringere mechanische Einbußen als Standard-PETG.
- ASA unter UV-C: Hier fehlen bislang Daten mit vergleichbarer Methodik wie bei PLA und PETG. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen empfiehlt sich eine eigene Prüfung, etwa in einer UV-C-Bestrahlungskammer.
- TPU: nur mit UV-stabilisierender Additivierung für Außen- und UV-Anwendungen einsetzen.
Für Bauteile, die nicht gedruckt, sondern verklebt oder vergossen werden, gelten eigene Randbedingungen; sie behandelt UV-härtende Klebstoffe, Lacke und Vergussmassen.
Quellen
- Amza CG, Zapciu A, Baciu F, Vasile MI, Popescu D: Aging of 3D Printed Polymers under Sterilizing UV-C Radiation. Polymers 13(24):4467, 2021.
- Spectrum Filaments: ASA 275 Explained – The Right Filament for Outdoor Use.
- Wang A, Guo J, Shao C, Chen C: Flexible Thermoplastic Polyurethane Composites with Ultraviolet Resistance for Fused Deposition Modeling 3D Printing. 3D Printing and Additive Manufacturing, 2024.
- Makelab: PETG vs. ASA.
- Noltewerk: Technisches Datenblatt PETG UV (PDF).
- Forge Labs: ASA Material Properties.
- Habr: 122-Tage-UV-Vergleichstest an 3D-Druckmaterialien.
- Teska P (NIST): Damage to Common Healthcare Polymer Surfaces from UV-C Exposure (PDF).
Redaktionsstand: 3. September 2026.
Autor: Dr. Mark Paravia
Dr.-Ing. Mark Paravia ist Geschäftsführer der Opsytec Dr. Gröbel GmbH in Ettlingen und leitet das akkreditierte Kalibrierlabor. Nach seiner Forschung zu gepulsten Xenon-Excimer-Entladungen am Lichttechnischen Institut des KIT gilt sein Schwerpunkt heute der optischen Strahlungsmesstechnik. Er ist anerkannter UV-Experte, stellvertretender Obmann im DIN-Normungsausschuss FNL 7 „Optische Strahlung" und Mitglied im DVGW-Projektkreis UV-Desinfektion.
Beratung zur UV-Prüfung gedruckter Bauteile
Ob ein gedrucktes Bauteil die UV-Last seines Einsatzorts übersteht, beantwortet erst ein Versuch mit definierter Bestrahlung und gemessener Dosis. Wir liefern die Messtechnik dafür: UV-Bestrahlungskammern wie die BS-02 für reproduzierbare Alterungsversuche im Labor, das Spektralradiometer UVpad und das Radiometer RMD Pro für die Messung von Spektrum, Bestrahlungsstärke und Dosis am Bauteil. Schreiben Sie uns Ihre Fragestellung.